Eschwege fährt elektrisch – Neue E-Busse starten im Stadtverkehr

Neuer E-Bus von Eschwege

In den nächsten Wochen rollen die neuen Elektrobusse des Herstellers MCV[1] durch die Kreisstadt Eschwege. Besonders im Inneren weisen sie mehrere Besonderheiten auf.

Die Elektrifizierung der StadtBus-Flotte wird am 18.08.2025 beginnen. Am 14. August 2025 wurden die Elektrobusse offiziell vorgestellt. Insgesamt kommen in der Kreisstadt Eschwege drei E-Busse des Herstellers MCV zum Einsatz - C127 EV (12-m-Variante). 

Die Umstellung auf Elektrobusse im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist ein wichtiger Schritt für die Mobilitätsentwicklung und den Klimaschutz. 

Der ÖPNV ist im Stadtbild der Kreisstadt Eschwege als sicheres und umweltfreundliches Verkehrsmittel nicht mehr wegzudenken. Den StadtBus in Eschwege gibt es seit 1999. Er wurde im Zuge der Anbindung der Stadt an den Schienenverkehr neu strukturiert und dient als Verbindung zwischen den lokalen und regionalen Buslinien sowie dem Schienenverkehr, wobei der Stadtbahnhof als zentrale Umsteigestelle fungiert. Das Angebot wurde seit der Einführung des StadtBusses stetig weiterentwickelt und wird von allen Bügerinnen und Bügern im Werra-Meißner-Kreis insbesondere in Verbindung mit dem Schienenverkehr genutzt. Unter Einbeziehung des gesamten Linienverkehrs des Stadtbusverkehrs Eschwege wurden im Kalenderjahr 2023 668.331 und im Jahr 2024 704.086 Fahrgäste befördert. 

Durch die Reduzierung von Treibhausgasemissionen und Schadstoffen tragen die E-Busse zu sauberer Luft und einer nachhaltigeren Umwelt bei. Die Elektrifizierung des ÖPNV ist ein wichtiger Baustein, um die Klimaziele des Werra-Meißner-Kreises im Rahmen der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes auf lokaler Ebene bis 2030 und die Klimaneutralität bis 2045 voranzubringen.

Elektrischer Antrieb 

Im Linienverkehr werden die neuen Busse in den nächsten Wochen schrittweise ihre mit Dieselkraftstoff betriebenen Vorgänger ablösen. Die Nahverkehr Werra-Meißner GmbH (NWM) hat in Kooperation der Stadt Eschwege den StadtBus-Verkehr im Juli 2023 an die Frölich Linie Eschwege GmbH vergeben, die die E-Busse entsprechend den Vorgaben der NWM beschafft hat, die Fahrer beschäftigt und den laufenden Betriebsablauf sicherstellt. 

Angetrieben werden die neuen MCV-E-Busse von einem 250 kW / 340 PS starken Zentralmotor an der Hinterachse. Die Energie wird von sechs Batteriepaketen auf dem Dach mit einer Kapazität von 462 kWh bereitgestellt. Typische E-Autos laden pro Vollladung etwa 40 bis 80 kWh, je nach Modell. Die Stromzufuhr erfolgt mittels betriebseigener Ladeinfrastruktur und der Strom für die Fahrzeuge muss ausschließlich aus erneuerbaren Quellen bezogen werden. 

Die Integration einer Wärmepumpe in den E-Bussen beinhaltet darüberhinausgehend ein emissionsfreies Heiz- und Klimasystem für einen energieeffizienten Betrieb insbesondere in den warmen und kalten Jahreszeiten. 

Die neuen E-Busse bieten zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichen Dieselbussen, insbesondere in Bezug auf Umweltfreundlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Fahrkomfort. Sie sind emissionsfrei sowie leise und werden langfristig die laufenden Betriebskosten über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von acht Jahren deutlich senken. 

Die Fahrzeuge produzieren keine lokalen CO2-Emissionen und tragen somit zur Verbesserung der Luftqualität in der Innenstadt von Eschwege bei. Sie sind auch deutlich energieeffizienter als Dieselbusse und können durch Rekuperation beim Bremsen Energie zurückgewinnen. Die Fahrzeuge verfügen über einen höheren Drehmoment, was im Stadtverkehr mit häufigen Anhalten und Anfahren von Vorteil ist.

Neues Konzept steigert Sicherheit und Barrierefreiheit

Zeitgleich mit der Einführung der neuen E-Busse wird auch das „easy-bus-Konzept“, eine neue Methode der Fahrgastlenkung, in den StadtBussen etabliert: Durch gelbe Haltestangen und Behindertensymbole auf den Sitzpolstern werden Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen zu leicht erreichbaren Plätzen mit angepassten Sitzpositionen gelotst. Hierdurch wird der Ein- und Ausstiegsprozess optimiert und die Sicherheit für alle Fahrgäste erhöht. Das neue Konzept löst Kapazitätsprobleme und soll auch Verspätungen vorbeugen. Mit Hilfe der Klapprampen an beiden Einstiegstüren wird Personen mit Rollstuhl und Gehhilfen das Einsteigen deutlich erleichtert.

Darüber hinaus gibt es in den Bussen größere Abstellflächen für Rollatoren und Kinderwagen sowie eine verbesserte Anordnung der Sitze insgesamt. In den 12-m-Wagen stehen 30 Sitzplätze und 40 Stehplätze zur Verfügung.

Die neuen Fahrzeuge sind ein bedeutender Schritt hin zu einem barrierefreien ÖPNV im Werra-Meißner-Kreis, der allen Menschen zugänglich ist.

Neue Busabstellanlagen mit Ladepunkten

Bei der Ladeinfrastruktur setzt die Frölich Linie Eschwege auf Ladesäulen, die nicht nur für die neuen StadtBusse, sondern in der Zukunft auch für weitere Elektrofahrzeuge genutzt werden können. Die StadtBusse werden grundsätzlich im Rahmen der sogenannten Depotladung nachts geladen. Ebenso wurde die benötigte Wartungsinfrastruktur, welche einen Dacharbeitsstand und entsprechendes Hochvoltwerkzeug umfasst, errichtet.

Finanziell wurde die Anschaffung der Busse sowie die Bereitstellung der Lade- Wartungsinfrastruktur vom ehemaligen Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert. In diesem Zusammenhang wird auf den Pressebericht der Werra-Rundschau vom 01. April 2023 hingewiesen. Mit der investiven Förderung für die alternative Antriebstechnik kann der finanzielle Aufwand des laufenden Betriebs im Vergleich zur bisherigen Technik (Verbrennungsmotoren) im erheblichen Umfang vermindert werden. 

Neues Erscheinungsbild in den Stadtfarben der Stadt Eschwege

Die neuen MCV-Busse kommen ausgesprochen auffällig und ansprechend an die Haltstelle gefahren. Die leicht abgeschrägte Front mit der großen Scheibe, hinter der sich die Fahrtzielanzeige verbirgt, wirkt dynamisch. Die Batteriepakete auf dem Dach sind hinter Blenden und unter Abdeckungen verborgen. Anstelle von Rückspiegeln sind die Fahrzeuge mit Kamerasystemen ausgestattet. 
Die Busse sind in den Stadtfarben der Stadt Eschwege lackiert, außerdem sind auf den neuen StadtBussen stilisierte Wahrzeichen der Stadt (u. a. Dietemann) zu sehen.

Hintergrundinformationen

Die auf den Linien 1 und 2 zum Einsatz kommenden Busse erreichen durchschnittlich eine Jahresfahrleistung von ca. 78.600 km pro Bus. Durch die Neuanschaffungen werden drei (3) Euro-VI Dieselbusse (bisher Fahrzeuglänge: 10,5 m) ersetzt (neue Fahrzeuglänge: 12 m). 

Dieses Vorhaben war jedoch nur mithilfe der Zuwendungen des Bundes möglich. Ohne diese Förderung wäre die Beschaffung und somit eine Elektrifizierung zum Fahrplanwechsel 2024/25 aufgrund der noch hohen Anschaffungskosten für die Fahrzeuge und der benötigten Infrastruktur nicht umsetzbar gewesen. Ohne Förderung hätte sich die Beschaffung und somit auch die damit einhergehende Einsparung von Emissionen, unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Laufzeit des neuen Verkehrsvertrags, um mindestens 8 Jahre verzögert.

 

 


[1] Motor Coach Industries International Inc.